380 kV Ostküstenleitung

WHU – die Geschichte der 380 kV-Leitung durch Henstedt-Ulzburg

Es ist eine lange Geschichte, die politisch bereits im Oktober 2012 mit einem Eilantrag der WHU Fahrt aufnahm. Zu diesem Zeitpunkt hatte Henstedt-Ulzburg keinen hauptamtlichen Bürgermeister und die 1. stellv. Bürgermeisterin Elisabeth von Bressensdorf (CDU) leitete die Verwaltung. Bürgervorsteher war Carsten Schäfer (BFB).

Die WHU stellte am 20. Oktober 2012 Im Finanz- und Wirtschaftsausschuss einen Eilantrag zur Beteiligung am Konsultationsverfahren zur geplanten Ostküstenleitung, die Zeit drängte, denn die Möglichkeit einer Stellungnahme von Henstedt-Ulzburg endete bereits am 02. November 2012!

Kaltenkirchen und Alveslohe hatten ihre Stellungnahmen bereits lange abgegeben.

In Henstedt-Ulzburg wurde der Eilantrag mit 9:2 Stimmen ABGELEHNT. Nur die WHU stimmte dafür. Die Begründung: Der Ausschuss sei nicht zuständig und es gäbe keine Dringlichkeit.

Zudem hatten wir den Eindruck, der stellv. Bürgermeisterin und dem Bürgervorsteher war es gar nicht klar, dass es neben der sogen. „Mittelachse“, deren Freileitung durch den Ort abgebaut und an die Bahntrasse verlegt werden sollte, noch eine künftige weitere Leitung von Ost nach West, die „380 kV-Ostküstenleitung“ geben sollte, denn es hieß „Die WHU macht mal wieder Panik! Wir wissen doch alle, dass die Leitung an die AKN Gleise kommt!“ (O-Ton C. Schäfer)

Damals war auch noch eine Trassenführung der Ostküstenleitung entlang des Autobahnzubringers im Gespräch, die aber im Laufe der „Raumwiderstandsanalyse“ des Netzbetreibers TenneT nicht weiterverfolgt wurde.

Von 2012 -2015 gab es etliche „Bürgerdialoge“ zwischen TenneT und den Bürgern der betroffenen Kommunen. Die WHU war bei nahezu allen dieser Termine vor Ort.

Die WHU hatte sich damals mit Vertretern aus Kommunen und Bürgerinitiativen entlang der Ostküstentrasse zum besseren Informationsaustausch kurzgeschlossen und war Mitglied im „Bündnis gegen 380 kV“, mit eigener Website und aktuellen Berichten und Links. Viele Termine auch in ganz Ostholstein wurden von uns wahrgenommen, um in den Gremien unserer Gemeinde berichten zu können. Nicht immer fanden wir dafür Verständnis. Noch Anfang 2015 wurde uns erneut vorgeworfen, nur Panik verbreiten zu wollen. (J. Müller, CDU).

Kurze Zeit später hielt man einen Arbeitskreis zur 380 kV-Trasse dann doch für erforderlich. Er tagte 3 Jahre nach den ersten Stellungnahmen von Kaltenkirchen und Alveslohe und exakt vier Jahre nach der ersten Information der TenneT über die Höchstspannungsleitung und ein geplantes Umspannwerk….

Alle Fraktionen beteiligten sich an einer Plakataktion im Ort.

Es gab eine Unterschriftensammlung auf Initiative der Gemeindevertretung gegen das Vorhaben sowie eine Petition des Waldkindergartens, da die „Vorzugsvariante“  in H-U, nun für alle deutlich sichtbar, als Freileitung über Ulzburg-Süd, das dortige Gewerbegebiet, die Wohnbebauung sowie über die Flächen des Waldkindergartens und den restlichen Wald geplant wurde.

 

Die WHU wendete sich direkt in einem Schreiben an den Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein, Dr. Robert Habeck, und bat eindringlich um Verlegung des Trassenverlaufes an die A 20 und um Aufgabe der Planungen für eine HGÜ Konverterstation auf dem Beckershof Grünland.

Dr. Robert Habeck und die damalige Staatssekretärin Frau Dr. Nestle aus Kiel waren danach zweimal zu Besuch in Ulzburg-Süd, um sich die Lage vor Ort anzusehen und mit Vertretern der Ortspolitik und der TenneT zu diskutieren. Eine Einwohnerversammlung, mit Frau Dr. Nestle als Gast - auf Einladung der WHU -  fand im Juni 2015 statt. Zu dem Zeitpunkt war Uwe Schmidt (CDU) Bürgervorsteher und Stefan Bauer Bürgermeister und „Vertrauensmann“ bei den Dialogveranstaltungen.

Im Laufe der Diskussionen wurde dann als mögliche Entlastung von der TenneT und dem zuständigen Ministerium in Kiel für Henstedt-Ulzburg eine „Teilerdverkabelung“ als Pilotprojekt für eine 380 kV-Trasse vorgestellt. (Erdkabel gab es zu dem Zeitpunkt sonst nur als Gleichstromkabel.)

Das Erdkabelprojekt muss allerdings zwingend im Bereich der durch die Raumwiderstandsanalyse zuvor gefundenen Vorzugstrasse geführt werden – so hieß es.

Das bedeutet: Im Prinzip verfolgt man die Trassenführung auf der alten 220 kV-Trasse (der gefundenen „Vorzugstrasse“) - nur im Bereich von Henstedt-Ulzburg Süd verschwenkt man die Trasse so, dass Erdkabel gelegt werden können. Diese sollen dann von Kisdorf Wohld kommend durch das Biotop, entlang der Kadener Chaussee Richtung A7 gelegt werden. Dort plant man nun auch ein großes Umspannwerk. (Auch dieses hat Kaltenkirchen rechtzeitig abwehren können...)

Unter dem Biotop direkt soll kein offener Graben gebaggert werden, sondern eine Bohrung stattfinden. Nach Aussage des Netzbetreibers TenneT würden dabei keine alten Bäume geschädigt, denn die Bohrung verliefe weit unter dem Wurzelbereich.

Das alles ist nun Gegenstand des derzeit noch bis zum 03. März 2021 stattfindenden „Planfeststellungsverfahrens“, in dem nun erstmal auch das Umspannwerk an der A 7 Gegenstand der Planung ist. Dies hatte man zuvor immer noch offengehalten.

Die von Henstedt-Ulzburgs politischen Vertretern 2019 im Landtag alternativ gewünschte Trassenführung an der A20 wurde übrigens abgelehnt.

Die Gemeinde Henstedt-Ulzburg hat angekündigt, (als letztes jetzt verbleibendes Mittel) Klage gegen die Planungen einzureichen und damit aktuell eine Fach-Anwaltskanzlei beauftragt.

Die WHU begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich! Es war ein sehr langer und anstrengender Weg, den wir als WHU bis hierher gegangen sind – nicht immer mit der erhofften rechtzeitigen Unterstützung der anderen Fraktionen.

Möge Henstedt-Ulzburg von der 380 kV-Leitung durch den Ort verschont bleiben!

Weitere Dokumente zur Ostküstenleitung findet man auf unserer Website www.w-h-u.de.